Was haben Lernen und Computerspiele gemeinsam?

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Lernen und Computerspiele...

Es gibt allerdings auch gravierende Unterschiede zwischen Lernen und Computerspielen.

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Lernen und Computerspiele verändern das Gehirn

Je nachdem, wie man das Gehirn benutzt, bildet es neue Strukturen aus und bahnt im Lauf der Zeit aus winzigen Trampelpfaden neuronale Schnellstraßen.

Wenn Gelerntes wiederholt wird und ins Langzeitgedächtnis übergeht, dann werden die oft genutzten Nervenzellen gestärkt und die Verbindungen zwischen den Zellen stabiler. Das gilt natürlich nicht nur für das Lernen in Schule oder Uni und für Computerspiele, sondern für alles, was das Gehirn tut.

Jeder Gedanke, jeder „Eindruck“ prägt das Gehirn, jede Erfahrung verändert es, so dass jeder Mensch einen höchst individuellen Denkapparat besitzt.

#Computerspielen fördert Orientierung…

Bei vielen begeisterten Computerspielern verbessert sich die visuelle Aufmerksamkeit und die Orientierungsfähigkeit in der Umwelt. Ein bestimmter Bereich der Großhirnrinde wird leistungsfähiger, weil er an grauer Substanz zulegt.

Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass sich die Orientierungsfähigkeit von Computerspielern verlagert. Sie wird zwar stärker in der Großhirnrinde verarbeitet, dafür jedoch schwächer in Arealen im Hippocampus, die normalerweise bei Orientierung und Navigation beteiligt sind.

… und baut graue Substanz ab

Befürchtet wird, dass im Hippocampus durch das Computerspielen graue Substanz abgebaut wird.

Das wiederum wäre keine gute Nachricht, denn der Verlust von grauer Substanz im Hippocampus ist ein typisches Symptom z. B. der  Alzheimerkrankheit. Außerdem ist der Hippocampus dafür zuständig, Inhalte vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis zu übertragen. Daher ist er bei Lernen ganz besonders wichtig!

Hier geht’s zur Studie (englisch), die sicher noch gültig ist, auch wenn sie schon etwas älter ist: http://medicalxpress.com/news/2015-05-impact-video-gaming-brain.html

Lernen und Computerspiele Graue Substanz

Leistungsfähigkeit des Gehirns

Viele Faktoren wirken sich auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns aus: Förderlich sind eine gesunde Ernährung und genügend Wasser, Sport und Entspannung. Außerdem spielt es eine entscheidende Rolle, wie sehr das Gehirn gefordert wird. 

Das Bild eines Muskels passt für das Gehirn nicht in allen Facetten, aber es trifft zu, wenn man sich auf den Trainingsaspekt konzentriert. Trainieren Sie Ihre Muskeln, dann werden sie leistungsfähiger und wachsen. Trainieren Sie Ihr Gehirn, dann wird es leistungsfähiger und mehr neuronale Netzwerke bilden sich. Je mehr Sie Gewichte stemmen, desto mehr Gewichte können Sie stemmen. Je mehr Sie wissen, desto leichter können Sie sich Dinge merken und Informationen verknüpfen.

Braucht das Gehirn auch wie Muskeln eine Trainingspause? Ja, tatsächlich und zwar ausreichend Schlaf. Im Schlaf organisiert sich das Langzeitgedächtnis, die synaptischen Verbindungen reorganisieren sich und die "Trampelpfade" werden zu Schnellstraßen ausgebaut.

Entspannung ist ganz wesentlich für unser Wohlbefinden. Das gilt beim Lernen und bei Computerspielen. Viele Computerspieler entspannen sich beim Zocken und wie überall gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift.

Pause nach dem Spielen

Aus meiner Sicht als Lerncoach kann ich übrigens empfehlen, nach einer Lernsequenz mindestens eine Stunde lang nicht Computer zu spielen. Wenn man sich mühevoll Vokabeln oder Lernstoff erarbeitet hat und sich dann sofort an den Computer setzt, dann wird das neu Gelernte überlagert. Besser ist es, sich nach dem Lernen mit Dingen zu beschäftigen, die nicht die volle Konzentration am Bildschirm erfordern.

Ganz ideal ist, kurz vor dem zu Bett gehen noch mal den gesamten gelernten Stoff im Schnelldurchgang zu wiederholen. Ein flottes Überfliegen reicht oft schon aus. Im Schlaf verarbeitet das Gehirn intensiv die letzten Eindrücke. Wenn man sich am Ende des Tages noch mal mit Vokabeln oder Geschichtsdaten beschäftigt hat, dann lernt man im Schlaf weiter und der Stoff bleibt besonders gut haften.

Pause nach dem Lernen und Computerspielen

Was können wir von Computerspielen für das Lernen lernen?

Egal, ob Sie selbst gerne zocken oder nicht... Eines muss man guten Computerspielen lassen. Sie sind auf eine teilweise wirklich geniale Weise so konzipiert, dass sie eine ideale Balance finden zwischen Anstrengung und Schaffbarkeit.

Ein Spiel, das Sie sofort knacken und bei dem Sie nur so durch die Levels rauschen, das ist langweilig. Der God Mode schafft keine echte Befriedigung.

Andererseits: Wie motivierend finden Sie ein Spiel, das unendlich schwer ist und bei dem Sie überhaupt nicht wissen, ob Sie diesen Level überhaupt jemals schaffen können? Vermutlich verlieren Sie irgendwann die Lust - vielleicht ausgenommen Dark Souls-Spieler 🙂

Sie brauchen bei Computerspielen die Gewissheit, dass Sie weiter kommen können, wenn Sie nur genügend Zeit, Geduld und Hirnschmalz hineinstecken. Dann macht es Spaß und Sie können nicht aufhören, von Level zu Level zu fliegen.

Genau das brauchen wir beim Lernen auch! Beim Lernen und bei Computerspielen brauchen wir:

  • Die Gewissheit, dass es schaffbar ist, 
  • einen ungefähren Plan
  • und dass die Anstrengung sich lohnen wird.

Kleine Etappensiege beim Lernen und auch bei Computerspielen versüßen es, sich von Level zu Level zu arbeiten. Druck und Angst haben dabei allerdings nichts verloren.

Macht Lernen süchtig?

Bei Computerspielen lässt sich diese Frage ganz klar bejahen. Natürlich gibt es viele Faktoren, die darüber entscheiden, ob jemand eine echte Sucht entwickelt oder nur eine Leidenschaft. Wann wird Computerspielen zur Sucht? Eine Faustregel dafür lautet: Wenn andere Bereiche des Lebens oder Beziehungen darunter leiden. Es gibt stoffliche und nicht stoffliche Süchte. Computerspiele zählen zu letzteren.

Nun wird - das vermute ich einfach mal - noch nie jemand in einer Suchtberatungsstelle gesagt haben: Helfen Sie mir, ich muss immerzu lernen, lernen, lernen! Ich komme einfach nicht davon los!

Meine persönliche These ist, dass Lernen nur deshalb nicht als Sucht angesehen wird, weil es üblicherweise mit Stress und Druck verbunden wird. Jedoch: Überlegen Sie mal, wie Sie sich fühlen, wenn Sie etwas verstanden haben, was Ihnen noch kurz vorher unbekannt oder verschlossen war! Sie haben ein Hochgefühl und wollen mehr davon! 

Räumen Sie in Gedanken mal den gesamten Ballast beiseite, der üblicherweise mit Lernen assoziiert ist: Termindruck, Noten, Bewertung, Versagensangst, Überforderung... 

Lernen und Computerspiele machen süchtig

#Lernen macht glücklich!

Dopamin wird im Belohnungssystem unseres Gehirns freigesetzt. Wir fühlen uns mit Dopamin glücklich, wohl und entspannt. Es spielt eine Rolle beim Essen, beim Sex und bei allen anderen Grundbedürfnissen, die für unser Überleben wesentlich sind.

Beim Lernen und bei Computerspielen wird bei jedem kleinen Erfolg Dopamin ausgeschüttet, so dass wir nur noch schnell das nächste Level schaffen wollen. Und das nächste. Und das nächste.

Unser Gehirn ist eine Lernmaschine und wir wissen, dass das Dopamin dabei eine Schlüsselfunktion einnimmt. Es hilft uns nämlich, uns an das Gelernte auch zu erinnern. Dopamin ist der zentrale Botenstoff für's Lernen und für das Gedächtnis. Wenn wir etwas lernen und es in irgendeiner Weise emotional aufladen, dann werden wir uns zuverlässig daran erinnern. So funktioniert unser Gehirn.

Die Verbindungen zwischen dem Nucleus accumbens und den Gedächtnisarealen werden durch Dopamin gestärkt. Was macht der Nucleus accumbens? Er spielt eine zentrale Rolle im Belohnungssystem und - jetzt schließt sich der Kreis - auch bei der Entstehung von Süchten.

Wenn wir etwas tun, wodurch Dopamin ausgeschüttet wird, dann tun wir genau das immer wieder gerne. Wir lieben es, wenn Dopamin ausgeschüttet wird. Aus diesem Grund macht Lernen glücklich. Wenn nicht äußere Umstände dieses Glück zerstören...

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