Wer entwickelte Speed Reading und MindMaps?

Was ist der Unterschied zwischen Speed Reading und Schnell-Lesen? Wie kam Tony Buzan darauf, Speed Reading und MindMaps ​​​​zu erfinden? Erfahren Sie hier, wie Tony Buzan diese beiden genialen Methoden entdeckte und entwickelte.

Am Schluss des Artikels lesen Sie zwei Fallgeschichten, wie mit den richtigen Lernmethoden Selbstvertrauen aufgebaut werden kann. Über allem schwebt, was eigentlich Intelligenz ist.

"Speed Reading": Marke von Tony Buzan

TonyBuzan

Genau genommen darf niemand außer Tony Buzan den Begriff "Speed Reading" verwenden, denn es ist seine Marke. Leider ist er 2019 gestorben, aber er hat uns ein höchst spannendes Erbe hinterlassen. Von ihm stammen die MindMap (1993) und ein Buch namens "Speed Reading" (1971) . Wann immer Sie also etwas von Speed Reading lesen, sollten Sie prüfen, ob damit Tony Buzans Methode gemeint ist oder ob jemand den Begriff einfach für sich benutzt.

TonyBuzan_MindMap

Falls Sie sich mal gefragt haben, was eigentlich der Unterschied zwischen Speed Reading und Schnell-Lesen ist... Hier ist die Antwort: Ersteres ist eine geschützte Marke. Letzteres ist dagegen ein Sammelsurium verschiedenster Techniken, Methoden und Modelle von ganz unterschiedlichen Trainern und Autoren. Hier reihe ich mich selbst auch ein.

Wer war Tony Buzan?

Tony Buzan_Speed Reading

VLL89 KTL / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Er war ein rühriger Vordenker und sehr kreativer Kopf. Er gründete 1991 die "World Memory Championships", die Gedächtnisweltmeisterschaften und definierte damit kognitive Leistungen als GedächtnisSPORT.  Er gab das International Journal of MENSA (die Zeitschrift der Gesellschaft Hochbegabter) heraus und unterrichtete in 2011 über Satellitenschaltung in England und den USA 100.000 Kinder in einer Superklasse. 

Natur wichtiger als Schule

Tony Buzan liebte die Natur

In einem Interview hat er mal erzählt, wie er dazu kam, MindMaps zu erfinden: In den 1940er Jahren war er ein kleiner Junge und liebte die Natur. Schule war eher lästig, viel lieber streifte er mit seinem besten Kumpel draußen in der Natur herum und sie beschäftigten sich sehr intensiv mit Spinnen, Ratten, Schmetterlingen, Käfern und allem, was sie sonst noch finden konnten.

Die Schulklasse, in die er ging, war streng hierarchisch aufgebaut und zwar nach Leistungen. Es gab die Noten A bis D. Der beste Schüler saß auf dem Platz Nummer 1 der A-Gruppe und der schlechteste Schüler ganz hinten in der Reihe der D-Schüler. Tony saß meistens mit seinem Kumpel ganz hinten.

Plötzlich Bester

Eines Tages wurde ein Test gestellt, in dem abgefragt wurde, was der Unterschied zwischen Insekten und Spinnen war. Damals war Tony 7 Jahre alt und hatte das erste Mal in seinem Leben das beste Ergebnis der ganzen Klasse, was bedeutet, dass er plötzlich ganz vorne auf dem besten Platz saß. Das fühlte sich gut an! Tony konnte das erst mal nicht ganz begreifen, denn der Test war für ihn kein Test, sondern sein Leben, schließlich war er ja absolut begeistert über die Natur und wusste enorm viel darüber. 

Völlig unglaublich für ihn war allerdings, dass sein bester Freund auch in diesem Test genauso schlecht abschnitt wie immer. Für Tony war es jedoch glasklar, dass sein Freund viel mehr über die Natur wusste als er selber. Immerhin konnte er nur anhand ihres Fluges verschiedene Insekten unterscheiden. Warum saß der dann weiterhin ganz hinten?

Was ist Intelligenz?

Da begann Tony über Fragen nachzudenken, die ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen sollten: Wer hat eigentlich das Recht zu entscheiden, wer intelligent ist und wer nicht? Was ist Intelligenz überhaupt?

Als er später an der Uni war (er studierte  Psychologie, Anglistik, Mathematik und natürlich Allgemeine Naturwissenschaft), waren seine Noten nicht besonders und er ging in die Bibliothek. Dort fragte er die Bibliothekarin: "Wo finde ich ein Buch, in dem steht, wie ich mein Gehirn benutzen soll?" - Sie antwortete ihm: "Die medizinische Abteilung ist da drüben, Sir."

Es gab also damals keinerlei Anleitung für effizientes Lernen. Diese Lücke füllte Tony Buzan sein ganzes Leben.

Übrigens gibt es bei heute keine einheitliche Definition, was Intelligenz eigentlich ist. Es gibt verschiedene Modelle, die entweder mehr oder weniger verbreitet und anerkannt sind. Dementsprechend gibt es auch verschiedene Tests, die bestimmte Dinge messen. Nicht einmal die besten Tests sind wirklich aussagekräftig, denn es gibt zu viele Beispiele, bei denen dieselben Personen sehr unterschiedliche Ergebnisse bei denselben Tests hatten.

Ein einheitliches Verständnis von Wissenschaftlern aller Disziplinen, was Intelligenz ist, existiert bis heute nicht. Ich bin daher zutiefst überzeugt, dass in vielen Menschen weit mehr Genie steckt als sie bereit sind, sich selbst zuzugestehen. Das erlebe ich in meinen Trainings immer wieder.

Die Erfindung der MindMap

Als junger Student wurde Tony Buzan klar, dass seine alten Lernmethoden nicht die Ergebnisse brachten, die er sich wünschte. Also hat er sich damit beschäftigt, wie geniale Köpfe wie Leonardo Da Vinci , Salvador Dali oder Picasso sich Notizen machen und lernen. Da fiel ihm auf, dass deren Notizen nicht ordentlich strukturiert waren (wie seine eigenen), sondern ziemlich durcheinander und mit vielen Bildchen zwischendrin.

Tonys Notizen, die zu schlechten Noten führten
Notizen von Genies mit herausragenden Ergebnissen

ordentlich, in einer Linie geschrieben

wild durcheinander

mit nur einem Stift geschrieben

kunterbunt

enthielten nur Wörter

viele Bildchen

beim Lernen fand er die wesentlichen Punkte nicht wieder, weil alles gleich aussah

Wesentliches ist knackig formuliert und visuell hervorgehoben

Kurzum, Tonys Erkenntnisse gingen weiter: Er erstellte aus den Mitschriften Lernkarten, die nur 10% des ursprünglichen Textes enthielten. Doch beim Lernen und Analysieren musste er sich eingestehen, dass er  90% seiner Zeit damit verschwendete, Notizen zu schreiben. Danach verschwendete er nochmal 90 % der Zeit, die Notizen noch mal zu lesen und daraus Lernkarten mit den Schlüsselwörtern zu schreiben.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Wer heute noch so lernt, verwendet völlig veraltete Methoden!

Wie ging die Entwicklung der MindMap weiter?

Tony fiel schließlich auf, dass Schlüsselwörter gab, die wichtiger waren als andere Schlüsselwörter und begann, seine Lernkarten so zu schreiben, dass er die allerwichtigsten Schlüsselwörter sehr groß und fett ins Auge springen konnten.

Indem er bunte Farben verwendete, gelang es ihm immer besser zusätzliche Übersichtlichkeit herzustellen. Er entwickelte für sich einen Farbcode, der den Stoff organisierte und strukturierte. Zuletzt störte es ihn, dass die Schlüsselwörter isoliert von den anderen blieben und er begann, sie mit Linien und Pfeilen zu verbinden.

Unser Gehirn arbeitet schließlich mit Assoziationen und ist in einem Netzwerk organisiert. Genau dieses Netzwerk bildete er mit den Schlüsselbegriffen ab. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, also kamen noch Bildchen dazu, für die er nicht zeichnen können musste. Einfache Strichmännchen und Piktogramme tun es völlig.

Wofür kann man MindMaps einsetzen?

  • Natürlich zum Lernen und Studieren
  • Für bessere Konzentration und guten Fokus
  • Zum Bücher schreiben und Vorträge konzipieren

Sein Leben vor und nach der Entwicklung der MindMap verglich Tony Buzan mal mit einer Fahrt in einem Auto. Vorher war die Windschutzscheibe völlig verschmiert und verdreckt. Hinterher war sie sauber und durchsichtig. Auf diese Weise konnte er plötzlich die Dinge in all ihrer Klarheit erkennen.

Mit MindMaps studierte Tony Buzan Neurophysiologie, Psychologie, Psycholinguistik, Medizin, die größten Denker der Menschheit und sich selbst 🙂

MindMap: Anwendungsgebiete für MindMaps

Anwendungsgebiete MindMaps

[c] Akademie für Lernmethoden.de

Natürliche Genialität durch Speed Reading

Ich kann mir vorstellen, dass Tony besessen davon war, Menschen ihre unglaublichen Fähigkeiten bewusst zu machen. Dadurch ist er mir sehr sympathisch, denn ich liebe es, meine Teilnehmer in ihre eigene natürliche Genialität zu führen. So viel mehr ist uns Menschen möglich, als wir in unserem Alltagsbewusstsein für "normal" halten.

Kennen Sie die Geschichte des 100 m-Laufes? Es war lange Zeit ein ehernes Gesetz, dass es nicht menschenmöglich war, 100 m in weniger als 10 Sekunden zurückzulegen. 1968 knackte der erste Läufer diese Schwelle. Dann folgten ausschließlich Profi-Läufer, die schneller als 10 Sekunden waren und seit den 1990er Jahren gibt es eine ganze Reihe von Amateuren, die unter der 10 Sekunden-Marke laufen. Wenn die Schwelle im Kopf erst einmal durchbrochen ist, dann ist es immer mehr Menschen möglich, solche Ergebnisse zu erzielen.

Das gilt nicht nur im Sport, sondern auch bei kognitiven Leistungen wie dem Speed Reading.

Die Entwicklung der Methode

Wir erleben eine immer weiter wachsende Informationsdichte und ein spannendes digitales Zeitalter. Wenn wir jedoch denken, dass die Bewältigung von Informationen die Menschen erst seit der Erfindung der Smartphones beschäftigt, dann ist das ein Irrtum. 

Doch schon vor 60, 70 Jahren haben die Menschen sich intensive Gedanken darüber gemacht, wie Lesen leichter gelingen kann. Die Entwicklung des Speed Reading ähnelt keinem Stammbaum, sondern ist eher ein Busch, der wild in verschiedene Richtungen wuchert. Wer Schnell-Lese-Techniken beherrscht, tut sich leicht damit, die verschiedenen Äste, Stämme und Abzweigungen jeweils auf ihren Ursprung zurück zu verfolgen. Mir macht es immer großen Spaß, andere Schnell-Lese-Bücher zu lesen. So sehe ich oft, dass Autoren sich mit den Quellen gar nicht beschäftigt haben. Dadurch habe ich den Eindruck, dass sie ihre eigene Technik nicht unbedingt bei sich anwenden.

Tony Buzan hat ein ganzes Bündel an verschiedenen Techniken beschrieben, die er "Speed Reading" nannte. Ganz überwiegend sind seine Techniken auch heute noch aktuell und beachtenswert. Auch sein Buch ist heute noch lesenswert. Allerdings fehlen meiner Meinung nach entscheidende Puzzlestücke für entspanntes Schnell-Lesen. Durch die Hirnforschung kamen in den letzten Jahren schließlich jede Menge neuer Erkenntnisse hinzu.

Ich habe mir Tony Buzan ein wenig zum Vorbild genommen. Ich habe als Lerncoach verschiedene Techniken, Aspekte, Modelle, Tools, Strategien und Erkenntnisse gebündelt und sie zu meiner eigenen Methode entwickelt. Meine Methode nenne ich Motion Reading, weil geistige Flexibilität sowohl der Inhalt als auch die Folge ist. Man löst sich von alten und bremsenden Gewohnheiten. Dadurch gewinnt man einen ganz anderen Blick auf das Lesen, auf Bücher und die eigene Welt.

MindMap der Speed Reading-Technik Motion Reading

Speed Reading Technik Motion Reading

(c) Astrid Brüggemann

Speed Reading mit Selbstvertrauen

Was ich bei Tony Buzan enorm schätze, ist sein unbedingter Glauben an die Fähigkeiten der Menschen. Ich bin selbst ausgebildete Hypnotherapeutin und weiß genau, was positive und negative Suggestionen in Menschen anrichten können.

Erwartungen wollen erfüllt werden, positive und negative. Daraus folgt: Je klarer es für Menschen ist, dass sie bestimmte Leistungen erbringen können, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie es schaffen. In der Schule und selbst in der Uni erlebe ich als Lerncoach es leider immer wieder genau andersherum: Eltern glauben nicht an die Fähigkeiten ihrer Kinder und daher bleiben die Kinder zwangsläufig hinter ihren Möglichkeiten zurück. Selbstverständlich gibt es auch das andere Phänomen, dass Eltern ihre Kinder völlig überfordern. Das ist jedoch eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt wird...

Fallgeschichte: Hoher oder niedriger IQ?

IQ und Speed Reading

Ich habe schon mehrfach die Geschichte eines Mädchens gelesen, das sehr unruhig war und in der Schule sehr schlechte Noten hatte. Keiner der Lehrer glaubte, dass sie an der Schule richtig aufgehoben war. Ihre Mutter jedoch wusste, dass mehr in ihr steckte, als sie zeigen konnte. Schließlich hat sie einen IQ-Test gemacht und er fiel miserabel aus. Nicht einmal davon ließ die Mutter sich beeindrucken und ging mit ihrer Tochter nochmal zu einem anderen Psychologen, um sie erneut testen zu lassen. Der gab ihr den Test und beobachtete sie dabei. 

Als sie fertig war, sah er sich kurz ihre Antworten an und sagte zu ihr: "Nein, den Test nehme ich so nicht von dir an. Das kannst du besser." Er lächelte ihr aufmunternd zu und gab ihr weitere Zeit für den Test. Nun strengte sich das Mädchen erstmals tatsächlich an! Als sie das zweite abgab, wertete der Psychologe beide Ergebnisse aus: Das erste Mal hatte sie ein Ergebnis von 85 und das zweite Mal von 125.

Was meinen Sie: Wie aussagekräftig sind manche Testergebnisse?

Fallgeschichte: Heilpraktiker-Prüfung mit 74 dank Speed Reading

Heilpraktiker-mit-SpeedReading

Viele Menschen machen in der Kindheit sehr negative Erfahrungen mit dem eigenen Lernen und denken dann ihr ganzes Leben lang, dass es an ihnen läge. Das finde ich ganz schrecklich. 

Meine bisher älteste Klientin war 74 und wollte sehr gerne die große Heilpraktiker-Prüfung bestehen. Zweimal war sie schon durchgefallen und als sie zu mir kam, war sie sehr verzweifelt, denn sie wollte beim dritten Mal unbedingt bestehen und hatte keinerlei Vertrauen in sich und ihre Fähigkeiten. Wer sich schon mal mit dem Stoff von Heilpraktikern beschäftigt hat weiß, dass man dabei eine ungeheure Stofffülle bewältigen muss.

Für die schriftliche Prüfung kann man sich gut vorbereiten, das schaffen die meisten. Die wirklich herausfordernde Prüfung ist die mündliche. Da muss man auf Knopfdruck Zugriff haben auf den kompletten Lernstoff und hat keine Zeit, ein bisschen nachzudenken. Besonders in höherem Alter ist das eine Herausforderung.

Ich habe meiner Klientin einige Speed-Reading-Techniken gezeigt, sie hat sie beim Lernen angewendet, schließlich kam die Prüfung und sie hat mit Leichtigkeit und Selbstvertrauen alles bestanden. Die Prüfer haben ihr zu ihrer Leistung gratuliert und sie ist zurecht sehr stolz auf sich! Auch ihre Familie war sehr erleichtert, als die anstrengende Lernerei vorbei war 🙂 Mich freut es besonders, dass der alte Glauben, dass sie das nicht könne, mit Speed Reading von ihr abfallen konnte. 


Lesen Sie wohl!

Ihre 

Astrid Brüggemann

Motion Reading ist eine systematisierte und moderne Schnell-Lese-Technik, mit der man wesentliche Informationen aus Texten ungewöhlich schnell erfassen und verarbeiten kann.

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