Vorbewusste Informationsaufnahme: Wie lese ich schneller?

Die vorbewusste Informationsaufnahme ist vermutlich der faszinierendste Aspekt beim schnelleren Lesen. Wir nehmen ständig Informationen vorbewusst auf, wissen jedoch wenig über das dahinter liegende Prinzip. Systematisch nutzen tun sie die wenigsten. Motion Reading® hat die vorbewusste Informationsaufnahme systematisiert. So ist eine Vervielfachung der eigenen Lesegeschwindigkeit möglich und das Lesen fühlt sich gleichzeitig leicht und entspannt an.

Lesen Sie hier, was die vorbewusste Informationsaufnahme ist und wie sie das Lesen schneller macht.

Was ist die vorbewusste Informationsaufnahme?

Reize prasseln unentwegt auf uns ein und unsere Sinne nehmen sie auf. Was da so auf uns einprasselt, sind Informationen, die wir in einem ersten Schritt einfach nur aufnehmen. Die Verarbeitung und Wahrnehmung kommt etwas später.

Die Informationsaufnahme erfolgt im ersten Schritt NICHT bewusst. 

vorbewusste Informationsaufnahme

Unser Bewusstsein kann nur einen Bruchteil dessen bewusst wahrnehmen, was wir unterbewusst aufnehmen ^1.

Finden Sie hier heraus, wie groß der Unterschied ist:

Unterbewusste Informationsaufnahme

Unterbewusst sind wir in der Lage, 11.000.000 Bits (Informationseinheiten) pro Sekunde aufzunehmen ^2. 

Davon nehmen wir allein 10 Mio als visuelle Reize auf, die restliche Million verteilt sich auf die anderen Sinne.

Bewusste Informationsaufnahme

Nur 40 bis 50 Bits pro Sekunde können wir mit unserem bewussten Verstand erfassen.

Das ist noch nicht einmal ein Hunderttausendstel dessen, was wir unterbewusst aufnehmen.

Wer beim Lesen nur den bewussten Verstand nutzt, ist langsamer als jemand, der die vorbewusste Informationsaufnahme mitnutzt.

Wenn wir also viele Informationen erst mal gar nicht bewusst wahrnehmen, stellt sich die Frage, wie die Informationen überhaupt in unser Bewusstsein gelangen. Das ist ein komplexer Prozess und wir alle haben viele unbewusste Filter. Wir haben jedoch auch einen mächtigen bewussten Filter und zwar unsere Aufmerksamkeit. Unseren Fokus.

Die Verarbeitung ist ebenfalls ein nicht bewusster Prozess. Informationen sind zwar nicht in unserem Bewusstsein oder im Gedächtnis präsent, aber sie beeinflussen doch unsere körperlichen und geistigen Aktivitäten ^3.


Bewusstseinsschwelle

Bestimmt kennen Sie das: Sie schauen auf Ihr Handy, weil Sie wissen wollen, wie spät es ist. Kaum haben Sie das Handy wieder weggelegt, fällt Ihnen ein, dass Sie zwar drauf geschaut haben, aber wie viel Uhr es ist, haben Sie schon wieder vergessen.

Da haben Sie zwar die Information der Uhrzeit aufgenommen, jedoch wahrgenommen haben Sie sie nicht. Sie hat nicht Ihre Bewusstseinsschwelle überschritten.

Den Filter zur Bewusstseinsschwelle können Sie mit dem Fokus Ihrer Aufmerksamkeit steuern. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Information richten, dann werden Sie diese Information auch wahrnehmen.

Wenn Sie sich ein neues Auto kaufen wollen und mit dem Gedanken spielen, sich einen grauen Mini zuzulegen, dann werden Sie garantiert ab sofort auf den Straßen graue Minis sehen - während Sie vorher nicht dachten, dass das ein häufig zu sehendes Auto ist. Das Phänomen ist Ihnen bestimmt ebenfalls vertraut.

Sie setzen den Filter Ihrer Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes und schon wird es Ihre Bewusstseinsschwelle überschreiten, Sie werden es also wahrnehmen, sobald es irgendwo auftaucht.

Aus diesem Grund ist das bewusste Setzen von Zielen so wesentlich, wenn wir schneller lesen wollen. Noch schneller geht das Lesen, wenn wir zusätzlich die vorbewusste Informationsverarbeitung mit dazu nehmen. So wird ein echter Turbo beim Lesen möglich.

Weil es eher nicht üblich ist, auf solche Weise zu lesen, erfahren Sie hier etwas mehr über diese spezielle Fähigkeit unseres Gehirns:


Beispiele für vorbewusste Informationsverarbeitung

Subliminale Wahrnehmung

Hier ist noch ein Alltagsbeispiel: Sie gehen eine Straße entlang, schauen auf nichts Bestimmtes, denken an nichts Bestimmtes und plötzlich drehen Sie sich um und denken sich: "Moment mal, da war doch in dem Schaufenster etwas Interessantes." Sie gehen nun bewusst hin und schauen nach, was da gerade Ihre Aufmerksamkeit erregt hat. Tatsächlich entdecken Sie ein schönes Kleid in Ihrer Lieblingsfarbe oder irgend etwas anderes, das einen zweiten Blick wert ist.

Kennen Sie dieses Phänomen? Vermutlich schon. 

Es gibt noch eine weitere subliminale Wahrnehmung, die Sie tagtäglich praktizieren: Sie scrollen in den sozialen Medien Ihre Timeline entlang. Nur, wenn etwas Ihre Aufmerksamkeit erregt, halten Sie an und schauen sich den Beitrag genauer an. Übrigens scrollen wir täglich im Durchschnitt 90 Meter Timeline! Das entspricht der Länge eines Fußballfeldes. Wie könnten wir diese Masse an Informationen verarbeiten, wenn wir nicht unsere vorbewusste Informationsaufnahme nutzen würden?

Dass auch die Werbung unsere Fähigkeit der vorbewussten Informationsaufnahme nutzt, wissen wir alle.


Das Blindsehen

Patienten mit manchen Hirnverletzungen sind in der Lage,  ganz präzise Aufgaben zu erfüllen, die das Sehen oder die Wahrnehmung von Dingen voraussetzen - und zwar ohne dass sie bewusst irgendetwas sehen können. 

Blindseher können Gefühle in Gesichtern erkennen

Diese Patienten empfinden sich als blind, können aber auf visuelle Reize reagieren. Allerdings ohne dass sie erklären könnten, wie sie das tun. Zum Beispiel wurden Blindsehern Videos mit Gesichtern gezeigt, die unterschiedliche Gefühle ausgedrückt haben; mal lachend, mal traurig oder überrascht. Die Blindseher konnten die Gefühle benennen.

Das Phänomen ist seit 1971 beschrieben, aber die neuronalen Grundlagen und auch, wie die Großhirnrinde daran beteiligt ist, ist immer noch weitgehend unverstanden.

Blindseher können Objekte greifen, ohne sie zu sehen

Es wurde ein junges Mädchen untersucht, die auf einem Auge eine zerstörte primäre Sehrinde hatte. Auf ihrer blinden Seite zeigten Forscher ihr verschieden große Objekte. Sie sollte mit der Hand danach greifen. Für sie selbst waren diese Objekte auf ihrer blinden Seite völlig unsichtbar.

Sie griff also einfach so drauf los, irgendwohin und - merkwürdigerweise passte sie die Richung und auch die Öffnung ihrer Hand optimal an den Gegenstand an. Ihr selbst war das nicht bewusst, sie sagte immer, sie habe nichts gesehen oder sonstwie wahrgenommen.

Blindsehen: Vorbewusste Informationsaufnahme

Blindseher zeigen, dass es einen parallelen Sehmechanismus gibt

Man weiß, dass hauptsächlich Schäden der primären Sehrinde zum Blindsehen führen. Es muss also einen Sehmechanismus geben, der jenseits der "klassischen" Sehnerven verläuft und zwar das Blindsehen ermöglicht, aber nicht zu einem bewussten Sinneseindruck führt ^4.

Es gibt also viele Belege für eine vorbewusste Informationsaufnahme. Nun kommen wir zur Verarbeitung der Information. Auch sie verläuft noch nicht bewusst.


Der Ziele-Filter RAS und die vorbewusste Informationsaufnahme

Wir haben einen unermüdlichen Filter in unserem Gehirn: das Retikuläre Aktivierungssystem (RAS). Es filtert die Informationen und gleicht sie mit unseren bewussten oder vorbewussten Zielen ab.

Die Arbeit des RAS ist uns nicht bewusst. Es ist permanent damit beschäftigt, die Menge der 11.000.000 Informationseinheiten, die wir wahrnehmen, zu filtern und zu verarbeiten. Wenn alles gut geht, kommen am Ende verständliche Informationen in unserem Bewusstsein an.

Ziele-Filter Retikuläres Aktivierungssystem


So finden Sie rasend schnell wesentliche Informationen!

Zuerst nehmen wir Informationen also erst mal nur auf. In unserem Unterbewusstsein sind geistige Inhalte vorhanden. Durch bestimmte Erinnerungsprozesse können wir sie schließlich bewusst im Gedächtnis abrufen. Diese Erinnerungsprozesse können wir nutzen, um beim Lesen schneller zu sein:

Wir können vorbewusst Texte "scannen" und mit einem bestimmten Fokus den Filter so "scharf stellen", dass wir die wesentlichen Informationen aus Texten rasend schnell erfassen. Danach können wir mit ihnen weiter arbeiten.

Das RAS gleicht alle die Informationen daraufhin ab, ob sie für unsere Ziele relevant sind. Daher hier nochmal der Hinweis, wie wesentlich zielgerichtetes Lesen ist, wenn Sie schneller lesen wollen. Das RAS fokussiert und filtert, ob die Informationen neu, emotional oder lebenswichtig sind.


So geht schnelles Lesen mit vorbewusster Informationsaufnahme und Leseziel

Wenn hinter Ihrem spezifischen Leseziel ein großes, bunt schillerndes und bedeutsames Ziel steht, dann haben Sie es beim Lesen leicht! Denn dann kann das RAS optimal für Sie arbeiten. Je klarer Ihnen beim Lesen das hinter Ihrem Leseziel stehende größere Ziel ist, desto besser. Denn dann funktioniert der Filter und Sie finden in den Texten schnell Antworten auf die Fragen, die Sie vorher gestellt haben.

Am besten lässt sich das in einem Training erleben. Für sich selbst können Sie es auch ausprobieren: Nehmen Sie ein Buch zur Hand, stellen Sie sich eine spezifische Frage, die in dem Buch beantwortet wird. Behalten Sie diese Frage die ganze Zeit im Fokus. Dann blättern Sie das Buch wie ein Daumenkino durch und lassen Ihr RAS und Ihre vorbewusste Informationsaufnahme für sich arbeiten. Wenn alles gut geht, wird die Antwort Sie wie ein Magnet anziehen und Ihr Blick wird auf die entsprechenden Textpassagen fallen.

Viel Vergnügen beim schnelleren Lesen!

Lesen Sie wohl,

Astrid Brüggemann

Ihre Astrid Brüggemann


^1 Paul Natterer: Die Philosophie des Geistes: Mit einem systematischen Abriss zur Biologischen Psychologie und zur Kognitionswissenschaft, 2011

^2 Hermann Faller, Hermann Lang: Medizinische Psychologie und Soziologie, 2006

^3 Zimbardo: Psychologie, 1995

^4 Max-Planck-Gesellschaft: Sehen ohne Bewusstsein - was und warum sehen Blindseher? https://www.mpg.de/7850336/esi_jb_20137


Weiter lesen:

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Schneller lesen, früher Feierabend

Jetzt ist es Zeit für mehr Leichtigkeit.

>