Denksplitter #19: KI-Transformation im Unternehmen: Mehr als nur Tools

TLDR: Die Einführung von KI-Agenten allein garantiert noch keinen Erfolg. Eine echte KI-Transformation im Unternehmen erfordert den Ausbau von "Prozess-Straßen" und einen kulturellen Wandel im C-Level, um PS in Produktivität zu verwandeln.

KI-Transformation im Unternehmen: Warum der Produktivitäts-Turbo oft ausbleibt

Wäre KI ein Auto, dann wären die KI-Modelle der Motor. Die Apps sind da, die Lizenzen sind gekauft, aber der Wagen kommt nicht recht vom Fleck, denn der erhoffte Produktivitäts-Turbo bleibt oft aus. Warum ist das so? Eine erfolgreiche KI-Transformation im Unternehmen braucht mehr als nur Software.

Das 50-Cent-Problem der KI

Ein kluger Artikel über die deutsche Autobranche zeigt eine wichtige Erkenntnis, die auch auf KI zutrifft. Jahrelang wurde Software als Zusatz betrachtet und wenn man dabei 50 Cent pro Auto einsparen konnte, dann hat man das gemacht. Heute kostet diese Fehleinschätzung Milliarden, weil Software längst der Kern der Wertschöpfung ist, aber die Organisation noch auf alte Strukturen ausgelegt ist und nicht auf den Bedarf der Zukunft und auf echte Transformation. China ist uns dabei schon weit voraus, vielleicht sogar uneinholbar.

Die Lektion für Unternehmen: KI-Agents sind schnell aufgesetzt. Aber diese Technologie erfordert ein Umdenken in der gesamten Organisation und einen Kulturwandel. Das ist die eigentliche Investition.

Wenn Sie größere Zeiträume und ihre Muster spannend finden und KI darin einordnen wollen, dann schauen Sie mal hier: historische Analyse von Genre.com Technologie-Adoptionen verlaufen immer nach demselben Schema. Die Erfindung kommt schnell, der Mehrwert kommt langsam. Der Engpass liegt in den Komplementärtechnologien, den Straßen, ohne die Ihr KI-Auto nicht fährt, egal wie viel PS es hat.


Die notwendigen "Straßen" für Ihre KI-Infrastruktur

Gemeint sind Ihre Organisation und Ihre Prozesse:

  • Datenqualität und -herkunft
  • Funktionierende Prozesse
  • Sicherheit und Governance
  • Eine Belegschaft, die geschult ist, diese Fähigkeiten in durchgängige Abläufe einzubetten

Wenn diese "Straßen" fehlen, landen Unternehmen in der Pilotprojekt-Falle. Sie experimentieren viel, erzielen aber keinen ROI. Im Gegensatz dazu verzeichnen 88 Prozent der Unternehmen, die KI-Agenten bereits früh eingeführt haben, einen positiven ROI, das ist mal wieder eine Untersuchung, diesmal von Google, die zeigt, wie KI-Projekte positiv verlaufen.

Die Transformation beginnt im C-Level

Die entscheidende Frage ist also nicht "Welches Tool kaufen wir?", sondern "Haben unsere Leute Zeit und einen freien Kopf, um sich mit dem Neuen zu beschäftigen, damit zu spielen und sich damit vertraut zu machen?"

Psychotherapeut Claas Lahmann bringt es auf den Punkt: Nur dann wird KI als Gewinn empfunden. Wenn jedoch der Druck wächst, mehr zu leisten, weil es das neue Werkzeug gibt, führt KI zu Frustration. Die KI-Transformation im Unternehmen beginnt nicht im Prompt-Fenster, sondern im C-Level.

Die Straßen müssen jetzt verlegt werden. Wenn Sie Ihre Organisation zukunftsfähig aufstellen und den strategischen Wandel in 2026 angehen wollen, lassen Sie uns sprechen, hier können Sie sich einen Termin aussuchen.


Deutschland kann mithalten

Es gibt tatsächlich deutsche KI-Unternehmen, die international konkurrenzfähig sind. Hier ein spannender Bericht vom Fraunhofer Institut, in dem Sie nachlesen können, dass in der Industrie kleinere Modelle sehr erfolgreich eingesetzt werden. Oder hier ein Artikel des Auswärtigen Amtes (https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/themen/digitalisierung/kuenstliche-intelligenz/2513476), wobei ich mich frage, weshalb ich bei der Recherche ausgerechnet über einen Artikel des Auswärtigen Amtes gestolpert bin.

Auch eine international bekannte Bild-KI stammt aus Deutschland (hier ein wirklich sehr ermutigender und guter Kommentar im Handelsblatt über Black Forest Labs mit Flux, wie auch das großartige Automatisierungstool N8N aus Berlin, das mittlerweile 2,5 Milliarden Dollar wert ist.


Warum meine Brille zeigt, wie KI wirklich funktioniert

Manchmal zeigt sich das Potenzial von KI in den kleinen, unerwarteten Dingen. Ich stand neulich vor einem Brillenkauf. Also habe ich ein Selfie gemacht und die KI gefragt, "welche Brille in Stil, Form und Farbe passt zu diesem Gesicht?" Das Ergebnis: drei Bilder mit meinem Gesicht und verschiedenen Brillen. Die KI wählte ein Gestell, auf das ich ohne ihre Hilfe niemals gekommen wäre. Ich bin mit dem Bild zum Optiker, habe genau dieses Gestell anprobiert, beauftragt und bin seither glücklich.

Für mich ist das ein ganz alltägliches Beispiel, dass KI nicht nur ein Automatisierungstool ist, sondern eine dritte Gehirnhälfte, eine Beraterin, die mir basierend auf Daten eine bessere und passendere Entscheidung vorschlägt, die ich allein nicht getroffen hätte. Wenn das bei einer Brille funktioniert, was ist dann erst in Ihrem Kerngeschäft möglich?


Fundstücke: Arbeitswelt im Wandel

Der Bagger, nicht die Schaufel

Die Arbeit mit KI mag sich wie Schummeln anfühlen, aber es ist das neue Normal. Das ist wie die Umstellung auf den Bagger, als man nicht mehr mit der Schaufel buddeln musste. Auch daran mussten wir uns erst gewöhnen. Der MIT-Ökonom David Autor führt in einem lesenswerten FAZ-Interview aus: Viele Ökonomen sehen in KI nur Automatisierung und erkennen nicht, wo sie menschliche Expertise ergänzen und wertvoller machen kann.

Allerdings verschieben sich auch die Anforderungen: Es werden heute Leute gebraucht, die KI-Werkzeuge bedienen können. Das erfordert mehr konzeptionelles Denken als es bisher nötig war. Natürlich komme ich wieder mit meiner dritten Gehirnhälfte daher: Auch beim Umdenken kann uns KI unterstützen.


Wie sich Recruiting verändert

In einem Trendreport von t3n können Sie nachlesen, wie KI den Recruiting-Prozess auf den Kopf stellt. Ein Aspekt ist zwar: weniger Bauchgefühl, mehr datenbasierte Entscheidungen. KI treibt jedoch auch beim Recruiting Blüten, auf die man verzichten könnte.


Der Wettbewerb verschärft sich und OpenAI mag Knoblauch

Ein internes Memo zeigt, wie hart das Rennen ist. OpenAI hat monatlich 800 Millionen User und die Wachstumsrate ist momentan eher flach. 

Googles Gemini hatte im Oktober 2024 90 Mio Nutzende. Anfang 2025 hat der Google Chef das Ziel auf 500 Mio gesetzt und im März 2025 waren es bereits 350 Mio. Im Herbst wurden Nano Banana und Gemini 3 veröffentlicht. Was meinen Sie, wie viele User es mittlerweile sind? Google ist auf 650 Millionen monatliche User gewachsen. Und zwar zu Recht. Hier können Sie übrigens nachlesen, woher der Name Nano Banana stammt und warum es so besonders ist.

Meine Texte habe ich früher immer mit einem Workflow zwischen ChatGPT und Claude verfasst. Dies ist der erste Newsletter, an dem ChatGPT nicht beteiligt war (bis auf 1 Bild). Meine CustomGPTs nutze ich mittlerweile als “Gems” in Gemini. Das Rennen um die Nutzer ist in vollem Gang und OpenAI wird 2026 versuchen, mit Knoblauch dagegen anzustinken.

Für Sie bedeutet das: Wenn Sie sich eine KI-Infrastruktur aufbauen, dann setzen Sie Ihre Karten nicht nur auf 1 KI-Modell. Die Welt könnte sich morgen schon wieder weiter gedreht haben.

Hier ist eine Karte, die Ihnen den Weg zeigt:




Kuriositäten-Kabinett und KI-Slop

  • Sand, Sonne und KI: Ein Schweizer Rentner wollte sich einen Solarspeicher aus Sand bauen. Aber wie groß müssen die Komponenten sein und wie baut man das auf? Bevor er mit dem Bau startete, ließ er die Anlage von ChatGPT berechnen. Es funktioniert und er kocht damit sogar Chili con Carne. Welche Idee könnten Sie jetzt sofort mit KI diskutieren?
  • 2,8 Milliarden Gebäude: Der GlobalBuildingAtlas erfasst jedes einzelne Gebäude der Erde als 3D-Modell. Verfügbar auf GitHub. Die schiere Dimension dieser Datenmenge ist beeindruckend. Wenn es mittlerweile möglich ist, alle Gebäude mit KI-Unterstützung zu erfassen, was ist noch alles möglich? 
  • KI-Slop: Fast wäre ich drauf reingefallen. Aber nur fast. Ich habe ein Rilke-Winter-Gedicht gesucht (wussten Sie, dass Rilke 150 Jahre alt geworden wäre?) und kam auf eine völlig KI-degenerierte Webseite mit falschen Rilke-Gedichten. Typischer KI-Slop. Schweinefutter, ich hatte hier über das Phänomen berichtet. Sie brauchen auf diese Rilke-Seite nicht zu klicken, auch wenn sie zeigt, was passiert, wenn niemand mehr prüft, was da eigentlich veröffentlicht wird. Die Seite hat nicht mal ein Impressum. Content um des Contents willen, ein echter Albtraum, der das Internet flutet. Hier eine Seite, die sich dagegen stemmt.

Die Macht ist schnell ergriffen, wie im Schwalle die Schönheit plötzlich sich entlaubt zum Qualle.” 

Niemals hätte Rilke so etwas geschrieben. Schauen Sie lieber hier, welch schöne Wintergedichte wirklich von Rilke sind.

Was all das gemeinsam hat? KI verändert gerade jeden Winkel unserer Welt.


 Praxistipp: Checken Sie Ihre KI-Sichtbarkeit

Während wir über organisatorische Transformation sprechen, gibt es eine unmittelbare, praktische Konsequenz: Ihre Kundschaft sucht anders und OpenAI will Geld verdienen. Das bedeutet: ChatGPT bekommt Werbung. Das wiederum bedeutet: Unternehmen müssen sich damit auseinandersetzen, wie sie von KI gefunden werden. Saubere, maschinenlesbare Daten sind die Voraussetzung dafür.

  1. Installieren Sie das Adobe LLM Optimizer Plugin.
  2. Prüfen Sie Ihre Website.
  3. Denken Sie in Problemen ("Jobs to be done"), nicht in Features. Hier ist dazu ein lesenswerter Artikel auf Deutsch (https://www.intercom.com/blog/videos/what-is-jobs-to-be-done/).

Wichtig bei allen Texten auf Ihrer Webseite: Denken Sie in Problemen, nicht in Features oder Methoden. Die Harvard-Toolbox "Jobs to be done" zeigt, dass Menschen nach Lösungen suchen für ganz konkrete Herausforderungen. Wenn Sie diese Sprache sprechen, werden Sie gefunden. Hier ist dazu ein lesenswerter Artikel mit Anleitung auf Deutsch.


Bonus-Prompt zur Optimierung:

Analysiere eine Website [IHRE URL] aus Sicht von jemandem, der nach [KONKRETES PROBLEM IHRER ZIELGRUPPE] sucht. 

  • Was erfährt diese Person über unsere Lösung? 
  • Welche wichtigen Fragen beantworten wir nicht? 
  • Wie könnten wir die Startseite umformulieren, damit KI uns bei relevanten Anfragen empfiehlt?

Wer tiefer einsteigen möchte, findet bei den kostenlosen KI-Trainings von Google gute Ressourcen zum Weiterlernen.


 So können wir zusammenarbeiten

Sie kommen mit KI nicht weiter? KI soll ins Team, aber Ihre Leute sind nicht so begeistert? Ich biete Ihnen die Machete im KI-Dschungel. Ob Keynote oder Crashkurs – lassen Sie uns sprechen. Hier einen Infotermin aussuchen 

Herzliche Grüße

Ihre Astrid Brüggemann

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