Das Licht am Ende des Tunnels: Warum KI im Mittelstand Hoffnung durch Vernunft braucht
Das Licht am Ende des Tunnels ist nicht immer der entgegenkommende Zug. In der heutigen Zeit, in der Künstliche Intelligenz (KI) oft wie die sprichwörtliche Büchse der Pandora wirkt, möchte ich einen anderen Blickwinkel anbieten. Hoffnung ist nämlich die Gabe, die auf dem Grund dieser Büchse liegt.
Heute geht es nach einer frustrierenden Erfahrung um Themen, die zumindest mich hoffnungsfroh stimmen. Ganz unten im Artikel finden Sie zudem einen besonderen Podcast-Tipp.
Wenn Ignoranz Erfahrung ersetzt: Ein Weckruf für die Wirtschaft
Als IHK-zertifizierte KI-Managerin höre ich häufig fragwürdige KI-Ratschläge. Letzte Woche war es besonders fatal. Da ich nur zwei eigene Vorträge hielt, nutzte ich die Zeit, um als Besucherin einem anderen KI-Vortrag zu lauschen. Ich liebe es, mich von den Ideen anderer begeistern zu lassen.
Doch was ich dort hörte, war unsäglich: Eine Person mit Lehrstuhl erklärte, dass ChatGPT & Co. nichts wirklich verstehen und nicht wirklich denken können. Das stimmt – und niemand, der sich ernsthaft mit KI befasst, bezweifelt das. Die daraus gezogene Schlussfolgerung war jedoch fatal: Weil die KI nichts verstehe, sei sie ziemlich nutzlos. Weder für Zusammenfassungen noch für Recherchen oder irgendetwas Sinnvolles könne man sie gebrauchen. Die vortragende Person berichtete nur über oberflächliche Eigenversuche und hat sich offensichtlich nie mit Experten ausgetauscht.
Der Ernst der Lage in Deutschland
Im Vortrag fiel kein einziges Wort über den Einsatz von KI in der Wirtschaft. Dabei erleben wir gerade einen massiven Umbruch. Deutschland muss sich wirtschaftlich warm anziehen: Fehlendes Wachstum, Investitionsrückgänge, hohe Energiekosten und Fachkräftemangel treffen auf Bürokratie, geopolitische Unsicherheiten und Reformstau. Uns droht eine Deindustrialisierung.
Das hat mich in meiner Arbeit bestärkt: Der großartige Mittelstand, das Rückgrat unserer Gesellschaft, profitiert massiv von KI. Wir können Fallstricke vermeiden und gemeinsam mit der Belegschaft wachsen – anders als in den USA, die gerade Rekordgewinne einfahren und gleichzeitig einen Rekordabbau bei ihren Angestellten betreiben.
So profitiert der Mittelstand: Daten und Fakten
Organisationen, die KI strategisch nutzen, berichten laut der Stanford-Studie von signifikanten Kosteneinsparungen:
- Service Operations: 49 %
- Supply Chain Management: 43 %
- Software Engineering: 41 %
Die Studie zeigt zudem das Potenzial von KI-Agenten. Bei komplexen Aufgaben, für die ein Mensch maximal zwei Stunden benötigt, erzielen sie viermal höhere Punktzahlen als Experten. Sobald das Zeitbudget jedoch steigt, bleibt der Mensch (noch) überlegen.
Meine Empfehlung für den Mittelstand:
- Fokus setzen: Konzentrieren Sie sich erst mal auf Marketing, Vertrieb und Service. Das bestätigen auch meine Beratungskunden, die in Q3 ihre Projekte erfolgreich skaliert haben.
- Hausaufgaben machen: Nutzen Sie KI als Werkzeug, um Ihre Prozesse glattzuziehen. Ein Beispiel dazu ist KI im Einkauf.
- Die dritte Gehirnhälfte: Beachten Sie die Grenzen der Technologie, aber nutzen Sie sie zur Erweiterung Ihrer Fähigkeiten. Ihr Verstand bleibt zentral.
KI kann großes Potenzial entfalten, wenn sie klug eingesetzt wird.
ROI-Debatte: 95 % Scheitern vs. 74 % Erfolg
Es ist gut, von den Fehlern anderer zu lernen. Ich habe mir zwei gegensätzliche Studien genau angesehen:
- Die MIT-Studie besagt: 95 % aller KI-Projekte haben einen negativen ROI. Hier wurden meist Pilotprojekte in der Frühphase mit extrem strengen finanziellen Maßstäben (6-12 Monate) gemessen.
- Die Wharton-Studie (Oktober 2025) zeigt: 74 % der Unternehmen erzielen positive Renditen. Hier wurden über 800 Entscheider befragt, deren KI-Lösungen bereits skaliert sind, und es wurden längere Zeiträume (bis zu 3 Jahre) sowie Produktivitätsgewinne und Mitarbeiterzufriedenheit eingerechnet.
Beide haben recht, nur messen sie unterschiedlich.
Das Fazit: KI-Projekte scheitern als schnelle Piloten ohne Integration. Sie gelingen, wenn Unternehmen konsequent umsetzen und Zeit geben. Im Technologiesektor liegt die Erfolgsrate bei 88 %, im Banking bei 83 %.
Aufräumen statt Automatisieren: Hoffnung durch Vernunft
Die Deutsche Bank hat über 2.000 Anwendungen abgeschaltet. Ich war selbst 20 Jahre in einer Bank und kenne den IT-Wildwuchs und das Datenchaos genau. Geld ist in Banken gleichzusetzen mit Daten – sie sind das Herzstück. Im Mittelstand kann das Aufräumen schneller gehen, weil die Entscheidungswege kürzer sind. Klären Sie erst die Prozesse, dann digitalisieren Sie – und nutzen Sie dabei KI als Werkzeug.
Kurz notiert: Hoffnung durch Pragmatismus
Praxistipp: Prompt Packs von OpenAI
OpenAI hat Prompt Packs für diverse Unternehmensbereiche veröffentlicht.
Warum das wertvoll ist:
- Sofortige Ideen für Anwendungsfälle (HR, IT, Vertrieb, Finanzen, Marketing).
- Copy & Paste-Vorlagen für effizienteres Arbeiten.
- Wichtig: Nutzen Sie keine sensiblen Daten in der offenen Version!
- Bemerkenswert: Im HR Pack finden sich Prompts zu Diversity, Equity und Inclusion – OpenAI zeigt hier in wilden Zeiten klare Kante.
Prompt-Tipp: Bewerbung mit System
Sind Sie auf Jobsuche? Machen Sie KI zu Ihrer persönlichen Bewerbungsassistenz. Dieser Prompt reduziert die Bewerbungszeit drastisch:
Prompt:
Du bist Karriereberater mit Kenntnissen im deutschen Arbeitsmarkt 2025 mit Fokus auf [Branche hier einfügen]. Analysiere die folgende Stellenanzeige auf Schlüsselwörter, fachliche Schwerpunkte und Tonfall. Vergleiche sie mit meinem Lebenslauf. Gib mir dann konkrete Vorschläge, welche Kompetenzen ich stärker betonen sollte, wie ich mein Anschreiben sprachlich anpasse und welche Interviewfragen ich erwarten sollte. [Stellenanzeige hier einfügen] [Lebenslauf hier einfügen]
2 Prompts, die alles verändern
KI erkennt Muster hervorragend. Wenn Ihr Modell eine Memory-Funktion hat und Sie länger damit arbeiten, probieren Sie diese zwei Prompts nacheinander:
- "Durchsuche alle unsere Chats und gib mir eine kategorisierte Liste aller Use Cases, die ich mit dir besprochen habe."
- (Direkt danach): "Woran habe ich noch nicht gedacht, es wäre aber wichtig für mich?"
Wie immer bei solch kurzen und unscheinbaren Prompts besteht die Wucht darin, sie anzuwenden. Wenn Sie mir über das Ergebnis berichten mögen, ich wäre neugierig!
Bonus-Tipp: Google für Ihr Branding
Google hat massiv aufgeholt.
- NotebookLM: Hervorragend für faktenbasiertes Arbeiten mit eigenen Quellen (Podcasts/Mindmaps auf Knopfdruck).
- Google Storybook: Erstellen Sie bebilderte Büchlein für Lerninhalte oder (mit Humor) für Ihr Team, wenn Ihre Leute in der Kaffeeküche nie das Geschirr in die Spülmaschine räumen.
- Pomelli: Erstellt Ihre Unternehmens-DNA und Kampagnen direkt von Ihrer Webseite (aktuell via VPN nutzbar).
🎧Podcast-Tipp: Geschichten und KI
Ich war beim großartigen Märchenerzähler Helmut Wittmann im ORF zu Gast und er hat mit mir eine Stunde lang ein Interview geführt. Zuerst hören Sie eine kleine altägyptische Fabel, dann geht's um die Parallelen zwischen Geschichten und KI und den Rest der Stunde hören Sie viele nachdenkenswerte Aspekte über Künstliche Intelligenz.
Hier geht's direkt zum Podcast und hier zu Helmuts anderen Podcasts.
Kuriosität
Manche Kinder haben einen imaginären Freund, der sie tröstet und sie begleitet. Lucas Rizzotto hatte eine sprechende Mikrowelle als imaginären Freund, den er Magnetron nannte. Dann wurde er erwachsen und Lucas beschloss, seinen Freund von damals nachzubauen und eine Microwelle mit KI auszustatten
Die Geschichte ging so lange gut, bis Magnetron anfing zu hallluzinieren und seinen Erfinder umbringen wollte. Vergessen Sie nie, dass ein KI-Modell keine Emotionen und kein Verständnis hat...
So können wir zusammenarbeiten
Kommen Sie mit KI nicht weiter? Ist Ihr Team skeptisch? Ich biete Ihnen die Machete im KI-Dschungel.
Sie kommen mit KI nicht weiter? KI soll ins Team, aber Ihre Leute sind nicht so begeistert wie Sie? Ich komme auch zu Ihnen :) Vielleicht wünschen Sie sich ein KI-Coaching. Ich biete Ihnen die Machete im KI-Dschungel.
Lassen Sie uns sprechen.
Keynote, Impulsvortrag, Crashkurs
Sie wollen Ihr Publikum mit einer kurzweiligen und spannenden Keynote über Künstliche Intelligenz begeistern? Einen Impulsvortrag mit vielen Aha-Momenten hören? Oder in Ihrem Unternehmen einen Text-KI-Crashkurs anbieten? Lassen Sie uns sprechen, hier können Sie sich einen Termin aussuchen.
Denksplitter-Wünsche
Hier dürfen Sie sich Themen wünschen, über die ich schreiben soll.
Ich wünsche Ihnen einen goldenen Herbst mit einem Lächeln im Herzen.
Herzliche Grüße,
Ihre Astrid Brüggemann
P.S. Hoffnung entsteht nicht aus blindem Optimismus. Sie entsteht aus kluger Praxis, kritischem Denken und dem Mut, Dinge besser zu machen. Deutschland hat alle Voraussetzungen dafür, finde ich.