Denksplitter #7: Wie man bei KI up to date bleibt: 3 Strategien

Denksplitter #7:

Wie bleibt man in diesen wilden Zeiten mit KI up to date? Täglich gibt es neue KI-Tools und neue Features, spätestens wöchentlich neue Modelle und größere Änderungen. Wie schafft man es da, am Ball zu bleiben?

Die einfachste Antwort auf diese Frage, die mir übrigens häufig gestellt wird, ist: Gar nicht. Es geht nicht. Man schafft es nicht. Präziser: Es ist nicht zu schaffen. Daraus folgt allerdings nicht, dass ich die Füße hoch lege und mir denke, na gut, ist es halt nicht zu schaffen. Ich verfolge vielmehr eine Vorgehensweise, die aus drei Teilen besteht. Vielleicht inspiriert es Sie ja.


So bleibe ich bei KI up to date

  1. Ausgebuffte und halbautomatische Recherche (darüber berichte ich einem der nächsten Newsletter genauer).
  2. Mein Themenbereich ist sehr klar definiert. Alles, was nicht hineinpasst, lasse ich genüsslich an mir vorbei ziehen. Wie habe ich meine Themen definiert? Mit meiner KI-Strategie. (Auch darüber werde ich hier mal berichten.)
  3. Stolperfilter. Eine Vorgehensweise, die ich mir als Lernjunkie seit vielen Jahren angewöhnt habe. Wenn ich ein englisches Buch lese, verstehe ich nicht alle Wörter. Das stört mich nicht weiter. Wenn ich allerdings öfter über ein Wort stolpere, das ich immer noch nicht verstehe, dann schlage ich es nach. (Gibt es auch digitales Nachschlagen oder ist das eine analoge und haptische Tätigkeit? Egal.)
    Auf die KI-Welt übertragen, bedeutet das: Nur wenn mir ein KI-Tool oder ein bemerkenswertes Feature oder eine spannende Seite öfter über den Weg läuft, gehe ich dem nach und befasse mich näher damit.


Mensch und KI denken grundverschieden und genau das ist unsere Chance

Im Kern denken und handeln wir anders als ein KI-System, selbst wenn die Ergebnisse gleich wirken. Der Psycholinguist Michael Vitevitch hat sich mit vier Studien befasst, in denen ChatGPT mit sinnlosen Wörtern gefüttert wurde. Hier finden Sie seinen lesenswerten Überblicksartikel. Eine kürzere Zusammenfassung finden Sie hier bei t3n.

Die spannende Frage ist nicht, ob KI den Menschen duplizieren kann. Sondern: Wie wir mit dieser Andersartigkeit sinnvoll umgehen. Vitevitch spricht von einem „kognitiven Sicherheitsnetz“. KI kann Muster erkennen, die wir übersehen. Genau dafür nutze ich KI am liebsten: Als Erweiterung unserer Fähigkeiten, als dritte Gehirnhälfte.


Kann man Menschen ausquetschen?

Sicher geht das. Aber der Preis ist hoch und der Fachkräftemangel lässt das nicht mehr zu. Führung im KI-Zeitalter funktioniert anders und ich freue mich immer, wenn ich Gedanken, die ich schon lange "predige", in einer Studie bestätigt sehe. 

Deloitte hat eine relevante Studie veröffentlicht, in der an die 10.000 Führungskräfte an einer Umfrage und Interviews teilgenommen haben.

Neben anderen relevanten Punkten geht es um die Frage, was geschieht mit der durch KI gewonnene Zeit? Deloitte beschreibt eine bewusst ungenutzte Zeit, über deren Verwendung Mitarbeiter selbst bestimmen können. So lassen sich kritisches Denken, Innovation, gute Zusammenarbeit und persönliche Entwicklung fördern.

Hier nochmal der Link zur Studie.


KI-Nutzung von 39 % auf 74 % geklettert

Eine aktuelle Bitkom-Studie berichtet, dass 74 % der Erwerbstätigen generative KI für private Zwecke nutzen, im Vorjahr waren es erst 39 %. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, auch wenn die Angst vor Abhängigkeit groß ist. 

Doch bleiben wir bei den guten Nachrichten: Der Optimismus gegenüber KI ist in Deutschland um 10 % gewachsen, das beschreibt die Uni StandfordDas ist doch ebenfalls erfreulich. 

Diese guten Nachrichten werden noch getoppt, denn Deutschland ist weltweit bei der Nutzung von KI in der Industrie sehr stark vertreten. Dazu gibt es von Siemens hier einen Startartikel, von dem aus Sie weitere positive Trends lesen können, wie zum Beispiel dass junge Ingenieure heute dank KI viel leistungsfähiger und produktiver arbeiten können als früher, weil KI ihre Lernkurve erhöht.

Eigentlich wollte ich Ihnen noch diesen Link zu Deutschlands KI-Strategie als weitere gute Nachricht präsentieren, aber die Zahlen sind dann doch so mau, dass ich das lieber unter den Tisch fallen lasse.


Praxistipp

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde es ungeheuer spannend, mich mit Hilfe von KI immer wieder selbst durchzurütteln und mich zu hinterfragen. Das gilt auch für den Umgang mit KI.

  • Wenn Sie fragen „Was ist KI?“ wollen Sie einfach nur eine Definition.
  • Wenn Sie fragen „Wie gefährlich ist KI wirklich?“ suchen Sie vielleicht eine Bestätigung für ein Gefühl.
  • Wenn Sie fragen „Wie kann ich KI einsetzen, ohne meine Integrität zu verlieren?“ geht’s nicht um Technik, sondern um Selbstbild und Verantwortung.

KI "denkt" in Mustern und Sie können ChatGPT dazu befragen:

Prompt-Tipp Denkmuster

Ziehe alle Chats heran und beschreibe das Muster in meinen bisherigen Fragen und in meinem Umgang mit dir. Antworte wie jemand, dem Ehrlichkeit wichtiger ist als Höflichkeit.

Prompt-Tipp blinder Fleck

Ziehe alles heran, was du über mich weißt. Was ist mein blinder Fleck? Was weiß ich nicht über mich, sollte es aber? Antworte brutal ehrlich.

Prompt-Tipp persönliches Wachstum

Ziehe alles heran, was du über mich weißt. Welche meiner Stärken unterschätze ich selbst?

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